K.O. für O.K.

Die heutige Sprachschlampe trifft uns ständig.
Beim Telefonieren, in der Kaffeeküche, auf der Straße, ihr Bild ist wie die vorweihnachtliche Werbung für unnütze elektronische Geräte ganz einfach überall!

Aber weder verwirrt sie mich durch ihre auffällige oder anrüchige Schönheit, noch erkenne ich in ihr die schlichte Eleganz einer echten Geschäftsfrau.

Sie nervt einfach.
Und sie kommt von Außerhalb.

Sie heißt „Okay“, kommt vermutlich aus Amerika – so ganz genau weiß man das nicht – und obwohl man in Deutschland eigentlich streng auf die fehlerfreie Aussprache unnötiger Anglizismen achtet, wird sie meist „Ohh-Keeh“ genannt.

Bevor ich die Wörterbücher frage, was uns das angeblich bekannteste Wort der Welt in seiner Ursprünglichkeit mitteilen möchte, habe ich noch einige typische Dialogschnipsel zusammengetragen.
Natürlich wie immer völlig fiktiv, ohne Bezugnahme auf reale Figuren und deren Äußerungen.

Zwei Frauen unterhalten sich:
„Mein Mann hat mich am Wochenende verlassen.“
„Ohh-Keeh. Hat er seine Sachen mitgenommen?“

Er (nicht der aus dem letzten Absatz) kommt nach Hause:
„Schatzi, ich hatte auf dem Heimweg einen Autounfall.“
„Ohh-Keeh.“
„Das Auto ist Schrott.“
„Ohh-Keeh.“

Jemand telefoniert in der Bahn:
„Harry, ich bin später dran, ist das für Dich Ohh-Keeh, wenn ich direkt ins Kino komme?...Ja, Ohh-Keeh...Ohh-Keeh, bis gleich.“

An dieser Stelle lehnen Sie sich bitte kurz zurück und überlegen, wie oft Ihnen diese Sprachschlampe heute schon begegnet ist.
Und?
Seltener als zehn Mal?
Dann sind Sie ein Eremit!

Jetzt der Blick ins Wörterbuch:
So wenig man sich über die Ethymologie des Wortes einigen kann (Am besten gefällt mir ehrlich gesagt der Import des westafrikanischen „woukay“ nach Amerika durch Sklaven!), so einig ist man sich über seine Bedeutung:

Es gibt nur ein einziges deutsches Synonym, und das lautet „In Ordnung“, handlich abgekürzt „i. O.“.

Mir schwant Schreckliches, denn in englischen Lexika taucht „okay“ nun auch als Verb auf, aber diesen Schuh trägt die Sprachschlampe hierzulande (noch) nicht.

Das Wort hat seiner Bedeutung nach in den meisten Fällen an der Stelle, an der es heute verwendet wird, nichts verloren, siehe Beispiele.
Eher im Gegenteil, häufig ist ja etwas gerade eben nicht in Ordnung!
„Ohh-Keeh“ dient seinen Verwendern dazu, den fehlerfreien Empfang der Botschaft zu quittieren, ohne sich direkt inhaltlich zu äußern.
Das ginge auch anders.

Würde man „Ohh-Keeh“ als inhaltliche Aussage werten, könnte häufig ein „Finde ich gut, geschieht Dir recht.“ hineininterpretiert werden.
Und das will der Sprecher in den meisten Fällen nicht sagen!

Ein einfaches „Ääääh...“ oder gar ein bestürztes „Oooh“ wäre als bedeutungsloses Füllwort wesentlich geeigneter, die Steigerung zum mutigen „Nein!“ ein echter Gewinn an emotionaler und inhaltlicher Kommunikationsqualität.

Das wäre auch für den Sprecher sicherer.

Nicht, daß diese Sprachschlampe sich mal fix herumdreht und Ihnen eins auswischt!

Dann werden Sie von Ihrem Gegenüber K.O. geschlagen, obwohl sie eigentlich einfühlsame Anteilnahme für ein unerfreuliches Ereignis zeigen (oder gar die Chance zum Flirt nutzen) wollten!

In Ordnung?


(21. November 2007, Copyright by Sprachschlampen.De)

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