Unkostenaufwende

Geld ist allem Anschein nach wichtig.
Insbesondere solches, das wir ausgeben wollen oder müssen.
Denn hierfür gibt es – ganz ähnlich wie bei den Innuit für Schnee und Eis – eine Vielzahl unterschiedlicher Vokabeln.
Die Seite der Mittelzuflüsse ist sowohl sprachlich als auch ökonomisch leichter zu überblicken.

Hinter den meisten Begriffen steckt eine präzise wirtschaftliche Definition und es obliegt dem Verwender, diese entweder vorauszusetzen oder zu erläutern.

Es gibt aber auch einige sehr populäre Begriffe, die wahrhaftig Blender sind, und einigen davon möchte ich heute die Chromschicht ankratzen.
Denn sie werden in der (politischen) Berichterstattung verwendet um uns Präzision und Fachkundigkeit vorzugaukeln.

Beispiele:
Ganz harmlos kommen „Unkosten“ („Da hast Du Dich aber in Unkosten gestürzt.“) daher.
Generationen von Betriebswirten wurden darauf konditioniert, daß es Kosten gibt, aber eben keine Unkosten.
Und das ist richtig.
Es gibt ja auch keine „Untoten“ (zumindest hoffe ich das) und auch kein „Unding“, sieht man mal von einer möglichen Interpretation der Antimaterie ab.

Das „Un-“ mag aber als Steigerungsform für empfundene Maßlosigkeit gerade noch so durchgehen.
Viel fataler ist die Verwendung des Wortes „Kosten“ in dieser Kombination.
Denn das sind definitionsgemäß auf ein bestimmtes (betriebswirtschaftliches) Ziel gerichtete vergangene oder künftige Ausgaben.
Insofern steckt in dem Lob die Unterstellung, der großzügige Spender des luxuriösen Buffets verfolge damit einen bestimmten Zweck; der Vorwurf der Bestechung also.
Man liest den Begriff immer häufiger in der Tagespresse.

Ein weiteres Unding sind Aufwände oder Aufwende.
Beides gibt es nicht, denn Aufwand ist und bleibt singular, so vielfältig die damit bezeichneten getätigten oder zu erwartenden Ausgaben (leider häufig Mehrzahl) auch sein mögen.
Aufwand ist im Gegensatz zu Kosten, die interessanterweise den Plural ihrer häufigsten Natur entsprechend schon dabei haben, nicht notwendigerweise direkt einem bestimmten (betriebswirtschaftlichen) Zweck zuzuordnen.

Wer Aufwende sagt, meint also meist Kosten.

Und wer von „Unkostenaufwänden“ spricht, weiß nicht so genau, wofür das Geld verwendet wird.
Sicher ist in der Regel nur, daß es unwiderbringlich abgeflossen ist.

Die Politik kündigt in solchen Fällen an, man werde die „Aufwände konsolidieren“, und da kommen wir zu einem weiteren Mißverständnis:
„Konsolidieren“ bedeutet, so steht es zumindest im Wörterbuch, „verfestigen, sichern“ oder auch „zusammenlegen“.
Das ist zwar in Zusammenhang mit Geld ein durchweg edles Streben, denn kritische Stimmen behaupten, Geld würde eher korrumpieren als stablisieren.

Aber wenn der Politiker sagt, man müsse „den Haushalt konsolidieren“, meint er in Wirklichkeit, daß die staatliche Ausgabenplanung – mit Ausnahme seiner Diäten – bis an den Rand der systemischen Instabilität zusammengestrichen werden müsse.

Und das hat mit seiner vollmundig klingenden Ankündigung nichts mehr zu tun.

Wir merken uns für das tägliche Leben und den Umgang mit Begrifflichkeiten zu Geld:
Wenn der gewählte Begriff einfach ist, zeugt das von inhaltlicher Klarheit des Sprechers.

Wenn die Worte schön klingen, klingelt's nicht in der Kasse, zumindest nicht in unserer.

In solchen Fällen sollte dem Redner die Konsolidierung der verauslagten Unkostenaufwende avisiert werden.

 

(1. September 2010, Copyright by Sprachschlampen.De)

 

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