Nachhaltig

Die Welt verändert sich.
Das an sich ist im Grundsatz keine neue Erkenntnis.
Neu ist das langsam aufkeimende Bewußtsein, daß sie das aufgrund unseres Umgangs mit ihren Ressourcen tut.

Durch jahrzehntelange flächendeckende Aufzeichnungen des Klimas, durch Bohrungen in Gletscher und dergleichen mehr scheint es nun tatsächlich ausgemachte Sache, daß die intensive Nutzung fossiler Brennstoffe die Atmosphäre erwärmt und zwar gleich in doppelter Hinsicht: Einerseits durch die erzeugte Wärme; andererseits durch die freigesetzten Endprodukte der Verbrennung.
Eine totale Überraschung, wo doch ein normales Auto nicht mal ganz 60 Prozent der eingesetzten Energie als Wärme freisetzt*!

So gewinnen ökologische Aspekte nach und nach mehr Raum in der Entwicklung technischer und politischer Konzepte.
Und das ist – nicht, daß da ein Mißverständnis aufkommt – auch gut so.

Aber, wie so oft, es wird mal wieder nicht so gesagt, wie es eigentlich gemeint ist.

Immer häufiger wird hier von „ökologischer Nachhaltigkeit“ gesprochen, häufig auch nur noch von letzterer.
Und das ist äußerst zweideutige Augenwäscherei.

„Nachhaltig“, so das Wörterbuch, heißt „sich lange auswirkend“.
Dabei ist es dem Wortsinn nach unerheblich, welcher Art die Auswirkung ist.

Einige Beispiele für extrem nachhaltiges Vorgehen:

Sānxiá Dàbà, besser bekannt als „Drei-Schluchten-Damm, hat unglaubliche Kulturlandschaften im Morast des Jangtse versenkt.

Die ehrgeizige Architektur, der aufwendige Lebensstil und der Bau der antiken Flotten haben den Mittelmeerraum weitgehend entwaldet.

Die Produktion und nachlässige Entsorgung nicht verrottender Plastikteile hat zu mehreren gigantischen Müllstrudeln in den Ozeanen geführt. (Wie viel Einwegpfand steckt wohl in 100 Millionen Tonnen Plastikmüll?)

So ist also, was „nachhaltig“ ist, nicht per se gut oder sinnvoll.

Vielmehr versucht der Verwender des Wortes, uns zu vermitteln, das habe schon alles seine Ordnung.

Das kann es aber mitnichten haben!

Es gibt praktisch kein Produkt, das massenhaft und ökonomisch sinnvoll (also mit Gewinn) erzeugt, verteilt und verbraucht, keine überwiegend negativen Auswirkungen auf Natur und Umwelt hat.

Dessen müssen wir uns ganz klar bewußt sein.
Das ist nicht neu.

Schon Platon wußte es, als er über die Bodenerosion in Folge exzessiver Landwirtschaft berichtete, und es wurde damals ebenso wie heute billigend in Kauf genommen.

Also sollten wir uns nicht mit dem Wort „nachhaltig“ abspeisen lassen, sondern beständig dafür sorgen, daß die Auswirkungen unseres Lebensstils eben nicht nachhaltig sind!

 


* Eine der deprimierendsten Zahlen, mit denen ich im Verlauf meines Studiums konfrontiert wurde, war (bitte legen Sie mich nicht auf Quelle oder Referenz fest), daß 6% der weltweit eingesetzten Energie auf die Heizung von Kraftfahrzeugen verwendet werden.

 

(13. Oktober 2010, Copyright by Sprachschlampen.De)

 

Druckversion