Zuwanderer

Heute werfe ich mal einen kurzen Blick auf Wörter, die eigentlich aus dem Ausland kommen, sich hier aber mehr und mehr heimisch fühlen.

Portmonee zum Beispiel, oder auch Laptop.

Es zuckt ein wenig, wenn Sie die Bezeichnung für die Geldbörse lesen?
Warum?
Das ist mittlerweile seit Jahren korrektes Deutsch!

Vielmehr stelle ich mir die Frage, warum wir uns bei der vollständigen sprachlichen Integration neuerer Aspiranten so schwer tun.
Warum schreiben sich die Videoprojektoren nicht „Bihmer“, dann könnte es wenigstens jeder aussprechen!

Unvergesslich ist in diesem Zusammenhang eine von meiner Urgroßmutter überlieferte Vokabel: „Blüschens“.

Damit meinte sie die soliden, dunkelblauen Hosen, die die Soldaten der Besatzungsmächte in ihrer Freizeit trugen.
Diese Aussprache war für die Frau absolut logisch und richtig, denn „ue“ stand für „ü“ und die Betonung lag meistens auf der ersten Silbe.
„Plüschihns“ hätte wohl auch nicht zu ihrem unkomplizierten Naturell und eher zügiger Sprechweise gepaßt.

Damit befand sie sich in bester Tradition:
Weil's niemand richtig aussprechen oder gar schreiben konnte, hieß der Beruf des Feintäschners in Hessen seit napoleonischer Besatzung „Portefeller“, und die Aufforderung an die Töchter, sich nicht von den Besatzern besetzen zu lassen, kurz „Keine Visimatenten!“.

Das ist praktische, barrierefreie Sprache!

Nun gut, seit meine Urgroßmutter die Hosen sichtete, hat sich deren Schnitt, Gestaltung und Paßform ebenso verändert wie das durchschnittliche Bildungsniveau – na, sagen wir lieber die Soll-Schulzeit.

Aber der orthografisch korrekte Import nicht-englischer Lehnwörter bleibt nach wie vor Glückssache – schade drum.

Und bei den englischen bleibt die korrekte Aussprache für viele noch knifflig.

Dabei könnte das so einfach sein, indem wir Schreiben und Sprechen vereinen.
Dann wäre es nämlich auch nicht mehr so wichtig, ob die Worte korrekt entlehnt sind (siehe „Handy“, „Beamer“).
Vielmehr würden sie als „Händi“ und „Bihmer“ eine neue Identität bekommen und jeder könnte sie verwenden.
Sie wären normale Vokabeln, die nur in deutscher Sprache einen Sinn ergeben – in den beiden Beispielen ist das ohnehin der Fall; die gibt’s im Englischen gar nicht.

Dadurch wäre natürlich die werbende Wirtschaft stark gefordert.
Denn statt zum Beispiel ein technisch vielseitiges Mobiltelefon international mit dem gleichen Namen, den gleichen unverständlichen Versprechen und ebensolchen Bedienungsanleitungen zu vermarkten, müßte klar auf die sprachlichen Bedürfnisse der jeweiligen Adressaten eingegangen werden – letztlich saß im Kino eine Frau neben mir, die von einem „Ih-Foon“ sprach.
Diese Aussprache ist für den Hersteller wahrscheinlich ähnlich erfreulich wie seinerzeit der unglückliche Produktname eines ansonsten international erfolgreichen Geländewagens für den spanischen Markt*.

Es würde uns etwas Arbeit abverlangen, neuen Dingen neue Namen zu geben.

Dafür könnten wir dann aber auch alle etwas damit anfangen!

 


* Sie erinnern sich noch an den „Pajero“? Der war bei Paris-Dakar ganz vorne dabei, aber in Spanien unter diesem Namen praktisch unverkäuflich.

 

(14. Dezember 2010, Copyright by Sprachschlampen.De)

 

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